Auf dem Weg nach Berlin mache ich mir Gedanken um mein eigenes Leben. Was, wenn ich den Airport gar nicht erreiche? Überflüssig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Denn das muss man sich vor einer Reise, so wie ich sie vorhabe, auch sagen: Unvorhergesehene Tragödien können überall auf der Welt passieren. Vielleicht sehe ich meine Familie nie wieder. Dementsprechend tränenreich fallen dann auch die letzten Minuten in der Heimat aus.
Wir haben den Weg bis nach Berlin geschafft und sogar noch Zeit für einen Kaffee. Kaffee macht bekanntlich nervös. Leider denkt man in dem Moment nicht daran, wenn man der Kellnerin die Frage nach dem „Was kann ich Ihnen bringen?“ beantworten muss. Verdammte Gewohnheiten. Jede Minute, die nun vergeht, werden meine Hände feuchter. Die Knie zittriger. Die Stimme dünner. Noch eine Stunde bis zum Abflug.
Meine Schwester ist ganz ruhig und gelassen. Das hat sie von ihrem Vater. Sagt zumindest meine Mutti. Sie muss es wissen. Sie war mit ihm 15 Jahre lang zusammen. Ich kenne ihn nur 10 Jahre. Danach trennten sich unsere Wege. Bis auf Unterhaltszahlungen kam nicht viel. Worüber man sich alles Gedanken macht, bevor man abfliegt.
Ja, meine liebe Mutti: Sie hat die vergangene Nacht wohl kaum geschlafen. Sie muss die letzten Wochen nicht geschlafen haben. Ihre Augenringe erreichen Rekordgröße. Heute erinnert sie mich an die Butler aus den alten englischen Filmen. Die liefen ständig mit den dicksten Halbmonden unter den Augen herum. Die letzten Minuten brechen an.