Das Zeichen zum Einchecken ertönt und über die Halbmonde meiner lieben Mutti ergießt sich ein Meer aus Tränen. Falk verdammt, bleib stark. Doch keiner kann seine Gefühle beim Abschied verbergen. Ob das am Alter liegt? Ich kämpfe sehr mit der Beherrschung.
Ein Jahr werden wir uns jetzt nicht sehen. Der Gedanke zerreißt alles in meiner Brust. Was Mutti jetzt wohl durch den Kopf geht? Ach, Mutti komm her! Die letzte Umarmung. Dann reißt es uns auseinander. Scheiße, tut das weh. Falk, nicht heulen! Reiß dich zusammen! Rucksack schnappen und ab zum Schalter. Jeder Blick nach hinten tut weh.
Da stehen sie nun: Meine Mutti, meine Schwester. Ein Häufchen Elend. Dein Kind verlässt Dich jetzt, Mutti! Doch Du hast mich so erzogen. Ich soll die Freiheit leben. Du hast meine Idee mit der Weltreise toll gefunden. Du hast mich bei den Vorbereitungen unterstützt. Mir Kraft und Mut zugeredet. Und nun heulst Du. Verdammt, was soll das?
5 Meter, 10 Meter, 15 Meter. Bald werden es 15000 Kilometer sein.
Beim Anblick des Grenzbeamten am Abfertigungsschalter kann auch ich mich nicht mehr halten. Mir kommen die Tränen. Falk, hochziehen! Durchatmen! Geschafft! Jetzt keinen Blick mehr zurück. Das war´s mit Umdrehen und Weglaufen. Du hast eingecheckt. Du hast dich der Herausforderung gestellt. Doch noch ein Blick. Bitte! Ein letzter. Einmal noch winken. Ein letztes Mal für die kommenden 365 Tage. Da steht sie. Kann es noch immer nicht fassen. Ihr Kinder in die Freiheit entlassen zu haben. Ein letzter Gruß. Ciao, Deutschland. Adios, Mutti!