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Tag Archives | Abschied

Die Weltreise beginnt: Der Abschied Teil 3

Das Zeichen zum Einchecken ertönt und über die Halbmonde meiner lieben Mutti ergießt sich ein Meer aus Tränen. Falk verdammt, bleib stark. Doch keiner kann seine Gefühle beim Abschied verbergen. Ob das am Alter liegt? Ich kämpfe sehr mit der Beherrschung.

Ein Jahr werden wir uns jetzt nicht sehen. Der Gedanke zerreißt alles in meiner Brust. Was Mutti jetzt wohl durch den Kopf geht? Ach, Mutti komm her! Die letzte Umarmung. Dann reißt es uns auseinander. Scheiße, tut das weh. Falk, nicht heulen! Reiß dich zusammen! Rucksack schnappen und ab zum Schalter. Jeder Blick nach hinten tut weh.

Da stehen sie nun: Meine Mutti, meine Schwester. Ein Häufchen Elend. Dein Kind verlässt Dich jetzt, Mutti! Doch Du hast mich so erzogen. Ich soll die Freiheit leben. Du hast meine Idee mit der Weltreise toll gefunden. Du hast mich bei den Vorbereitungen unterstützt. Mir Kraft und Mut zugeredet. Und nun heulst Du. Verdammt, was soll das?
5 Meter, 10 Meter, 15 Meter. Bald werden es 15000 Kilometer sein.

Beim Anblick des Grenzbeamten am Abfertigungsschalter kann auch ich mich nicht mehr halten. Mir kommen die Tränen. Falk, hochziehen! Durchatmen! Geschafft! Jetzt keinen Blick mehr zurück. Das war´s mit Umdrehen und Weglaufen. Du hast eingecheckt. Du hast dich der Herausforderung gestellt. Doch noch ein Blick. Bitte! Ein letzter. Einmal noch winken. Ein letztes Mal für die kommenden 365 Tage. Da steht sie. Kann es noch immer nicht fassen. Ihr Kinder in die Freiheit entlassen zu haben. Ein letzter Gruß. Ciao, Deutschland. Adios, Mutti!

Die Weltreise beginnt: Der Abschied Teil 2

Auf dem Weg nach Berlin mache ich mir Gedanken um mein eigenes Leben. Was, wenn ich den Airport gar nicht erreiche? Überflüssig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Denn das muss man sich vor einer Reise, so wie ich sie vorhabe, auch sagen: Unvorhergesehene Tragödien können überall auf der Welt passieren. Vielleicht sehe ich meine Familie nie wieder. Dementsprechend tränenreich fallen dann auch die letzten Minuten in der Heimat aus.

Wir haben den Weg bis nach Berlin geschafft und sogar noch Zeit für einen Kaffee. Kaffee macht bekanntlich nervös. Leider denkt man in dem Moment nicht daran, wenn man der Kellnerin die Frage nach dem „Was kann ich Ihnen bringen?“ beantworten muss. Verdammte Gewohnheiten. Jede Minute, die nun vergeht, werden meine Hände feuchter. Die Knie zittriger. Die Stimme dünner. Noch eine Stunde bis zum Abflug.

Meine Schwester ist ganz ruhig und gelassen. Das hat sie von ihrem Vater. Sagt zumindest meine Mutti. Sie muss es wissen. Sie war mit ihm 15 Jahre lang zusammen. Ich kenne ihn nur 10 Jahre. Danach trennten sich unsere Wege. Bis auf Unterhaltszahlungen kam nicht viel. Worüber man sich alles Gedanken macht, bevor man abfliegt.

Ja, meine liebe Mutti: Sie hat die vergangene Nacht wohl kaum geschlafen. Sie muss die letzten Wochen nicht geschlafen haben. Ihre Augenringe erreichen Rekordgröße. Heute erinnert sie mich an die Butler aus den alten englischen Filmen. Die liefen ständig mit den dicksten Halbmonden unter den Augen herum. Die letzten Minuten brechen an.

Die Weltreise beginnt: Der Abschied Teil 1

Nach einer verkrampften Nacht klingelt gegen halb acht der Wecker. Noch müde wird mir bewusst, dass das die vorerst letzten Minuten im eigenen Bett sind. Ich drehe mich in meinem Bett noch einmal um. Ich werde es vermissen. Schlafwarm schlage ich zehn Minuten nach acht die Bettdecken hoch. Die heimische Morgenfrische kriecht unter die nackte Haut. Ich sauge sie tief in mich ein. Wenig später sitze ich verpennt und mit dunklen Augenringen am Frühstückstisch. In Magdeburg haben die Bäcker der Stadt heute definitiv zu viele Brötchen gebacken. Ich bekomme keinen Bissen runter. Denn es stehen mehrere Abschiede bevor.

Zuerst der von den eigenen vier Wänden. Es ist ein schwerer Gang – raus aus dem Haus. Der letzte Blick auf die gewohnte Umgebung. Das Wohnzimmer, das Bad, die Küche – ich sage: Ciao. Adieu, vertraute Welt. Die Tür klappt zu. Im Magen kribbelt es heftig. Doch neben der Trauer um die eigenen vier Wände gesellt sich noch ein anderes unangenehmes Gefühl. Ich muss den beschwerlichen Weg über die staureiche Autobahn A2 nach Berlin antreten. Denn Magdeburg, die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt, hat viel, nur keinen anständigen Verkehrsflughafen. Deshalb muss ich nun nach Berlin Tegel.

Auch wenn der Flieger in die Ferne erst um 12 Uhr 30 abhebt: Punkt 9 startet unser Auto. Auf Drängen meiner Mutti. Aber wenn wir in einen Stau kommen! Wir drücken also auf die Tube. 100 Kilometer in der Stunde. Die Geschwindigkeitsanzeige scheint an der 100 zu kleben. Auch meine Schwester begleitet mich an diesem Morgen zum Flieger. Sie fährt.

Weltreise-Vorbereitung: Die Abschiedsparty

Jetzt bitte locker bleiben! Bloß nicht verkrampfen! Keine Panik kriegen und keinen Rückzieher machen! Das hat mir meine Mutti immer wieder ans Herz gelegt. Mein Problem ist, dass ich heute, einen Tag vor der Abreise, tierische Angst habe. Allein beim Gedanken an die große weite Welt mache ich mir in die Hose. Bei Guatemala beispielsweise. Das Auswärtige Amt in Deutschland verängstigt mich gewaltig mit den gewalttätigsten Horrormeldungen: Dutzende Tote am Tag, Misshandlungen, Räubereien. Ach du liebe Güte. Und da willst du durchreisen?

Auf der Abschiedsfeier mit meinen Freunden habe ich noch den Helden gespielt. Ach Guatemala. Schaffe ich! Die Abschiedsfeier: Die war unglaublich wichtig. Alle Freunde noch einmal sehen. Das ein oder andere Bier zu viel trinken. Da fallen die Anspannungen so kurz vor der Abreise.

Die letzte Nacht verbringe ich in meiner Familien. Nach intensiven Gesprächen liege ich im Bett. Ich drehe mich hin und her. Der Gedanke an die Weltreise schwirrt im Kopf herum. Doch Panik bekomme ich nicht. Meinem großen Traum steht nun nichts mehr im Wege. Nun kann ich sagen: Jetzt geht´s los!