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Tag Archives | Berlin

Die Weltreise beginnt: Auf Wiedersehen, Deutschland!

Ich steige in eine Maschine von British Airways. Die wird mich zunächst nach London bringen. Der Flieger hebt in Berlin ab, doch bevor er in Richtung England los düst, macht er noch einen Bogen über Magdeburg. Magdeburg – meine Heimat. Viele sagen, Magdeburg sei hässlich, dreckig, oll, öde, blöde. Ach, die haben doch alle keine Ahnung! Mein Magdeburg ist die schönste Stadt der Welt.

Der Kapitän landet die Maschine weich auf dem Flughafen Heathrow. Es ist ein verregneter Tag über London. Eigentlich wie immer. Zwei langweilige Stunden vergehen auf dem Flughafen. Dann heißt es wieder einmal einchecken. Diesmal in den Flieger in die Ferne. Nach Amerika. Auf einen ganz anderen Kontinent. Amerika, da fallen mir spontan die alten Western mit Terence Hill und Bud Spencer ein. Als Cowboy auf einem Pferd durch die Prärie reiten. Das muss toll sein. Das will ich auch. Und das kann ich auch machen, in wenigen Stunden, wenn ich drüben bin. Und Indianer will ich sehen. Ich will den Klondike rauf und runterschippern. Ich will in einem Salon einen Whiskey trinken. Und eine Bardame soll sich auf meinen Schoss setzen und ein Liedchen trällern.

Da habe ich mir eine ganz schön große Aufgabe vorgenommen. Ein Jahr lang durch die Welt reiten. Das Leben bestreiten. Ich freu mich drauf. Und dann startet der Flieger nach Amerika. Europa ade. Liebe Welt, du kannst kommen!

Die Weltreise beginnt: Der Abschied Teil 2

Auf dem Weg nach Berlin mache ich mir Gedanken um mein eigenes Leben. Was, wenn ich den Airport gar nicht erreiche? Überflüssig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Denn das muss man sich vor einer Reise, so wie ich sie vorhabe, auch sagen: Unvorhergesehene Tragödien können überall auf der Welt passieren. Vielleicht sehe ich meine Familie nie wieder. Dementsprechend tränenreich fallen dann auch die letzten Minuten in der Heimat aus.

Wir haben den Weg bis nach Berlin geschafft und sogar noch Zeit für einen Kaffee. Kaffee macht bekanntlich nervös. Leider denkt man in dem Moment nicht daran, wenn man der Kellnerin die Frage nach dem „Was kann ich Ihnen bringen?“ beantworten muss. Verdammte Gewohnheiten. Jede Minute, die nun vergeht, werden meine Hände feuchter. Die Knie zittriger. Die Stimme dünner. Noch eine Stunde bis zum Abflug.

Meine Schwester ist ganz ruhig und gelassen. Das hat sie von ihrem Vater. Sagt zumindest meine Mutti. Sie muss es wissen. Sie war mit ihm 15 Jahre lang zusammen. Ich kenne ihn nur 10 Jahre. Danach trennten sich unsere Wege. Bis auf Unterhaltszahlungen kam nicht viel. Worüber man sich alles Gedanken macht, bevor man abfliegt.

Ja, meine liebe Mutti: Sie hat die vergangene Nacht wohl kaum geschlafen. Sie muss die letzten Wochen nicht geschlafen haben. Ihre Augenringe erreichen Rekordgröße. Heute erinnert sie mich an die Butler aus den alten englischen Filmen. Die liefen ständig mit den dicksten Halbmonden unter den Augen herum. Die letzten Minuten brechen an.

Die Weltreise beginnt: Der Abschied Teil 1

Nach einer verkrampften Nacht klingelt gegen halb acht der Wecker. Noch müde wird mir bewusst, dass das die vorerst letzten Minuten im eigenen Bett sind. Ich drehe mich in meinem Bett noch einmal um. Ich werde es vermissen. Schlafwarm schlage ich zehn Minuten nach acht die Bettdecken hoch. Die heimische Morgenfrische kriecht unter die nackte Haut. Ich sauge sie tief in mich ein. Wenig später sitze ich verpennt und mit dunklen Augenringen am Frühstückstisch. In Magdeburg haben die Bäcker der Stadt heute definitiv zu viele Brötchen gebacken. Ich bekomme keinen Bissen runter. Denn es stehen mehrere Abschiede bevor.

Zuerst der von den eigenen vier Wänden. Es ist ein schwerer Gang – raus aus dem Haus. Der letzte Blick auf die gewohnte Umgebung. Das Wohnzimmer, das Bad, die Küche – ich sage: Ciao. Adieu, vertraute Welt. Die Tür klappt zu. Im Magen kribbelt es heftig. Doch neben der Trauer um die eigenen vier Wände gesellt sich noch ein anderes unangenehmes Gefühl. Ich muss den beschwerlichen Weg über die staureiche Autobahn A2 nach Berlin antreten. Denn Magdeburg, die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt, hat viel, nur keinen anständigen Verkehrsflughafen. Deshalb muss ich nun nach Berlin Tegel.

Auch wenn der Flieger in die Ferne erst um 12 Uhr 30 abhebt: Punkt 9 startet unser Auto. Auf Drängen meiner Mutti. Aber wenn wir in einen Stau kommen! Wir drücken also auf die Tube. 100 Kilometer in der Stunde. Die Geschwindigkeitsanzeige scheint an der 100 zu kleben. Auch meine Schwester begleitet mich an diesem Morgen zum Flieger. Sie fährt.